25 Jahre FCSF - Berichte aus der Gründerzeit
September 2007

Erinnerungen von Prof. Dr. Rainer Güting

Prof. Dr. Rainer Güting gehört zu den Gründern der FCSF und war langjähriger Vorsitzender des Trägervereins. Er berichtet von den Anfängen unserer Schule: "Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt in Sambia/Ostafrika kehrte ich 1974 mit meiner Familie nach Deutschland zurück. Die Umstände, die zu meiner Rückkehr nach Deutschland führten, stellten mich vor die Frage, was Gott denn in Deutschland mit uns vorhat. Mehrere Anstöße von verschiedenen Seiten verstärkten in mir den Gedanken, eine christliche Schule in Frankfurt zu gründen..."

Ich lernte einen Kreis von Christen kennen, die sich regelmäßig mit pädagogischen Fragen beschäftigten. Ich wusste, welche Rolle christliche Schulen in den USA spielen. Warum nicht eine christliche Schule gründen, in der christliche Pädagogik umgesetzt wird, was immer das konkret bedeutet? Während eines Urlaubs in Österreich lernten wir ein Ehepaar kennen, das uns von den Plänen zur Gründung einer christlichen Bekenntnisschule in Bremen berichtete. Also gab es auch andere, denen dieses Anliegen am Herzen lag.

 

Ist es nicht erstaunlich, wie Gott Gebete erhört?
Eines Tages fragte mich ein mir bekannter Pastor, ob ich schon einmal daran gedacht habe, eine christliche Schule zu gründen. Das war für mich der unmittelbare Anstoß, aktiv zu werden. Erst viel später erfuhr ich, dass schon seit Jahren mehrere Frauen beharrlich für die Gründung einer christlichen Bekenntnisschule in Frankfurt gebetet hatten. Ist es nicht erstaunlich, wie Gott Gebete erhört, wie er seine Pläne vorbereitet und Menschen dafür gewinnt?
Dann hörten wir von der Freien Evangelischen Schule in Reutlingen. Die gab es schon seit einigen Jahren. Um Näheres über die Schule zu erfahren, fuhren wir zu dritt nach Reutlingen. Der Schulleiter, Otto Schaude, führte uns durch die Schule. Er ermutigte uns und versprach, uns bei der Gründung einer christlichen Schule in Frankfurt zu helfen. Im Frühjahr 1979 fand in Reutlingen ein Treffen von Vertretern christlicher Privatschulen statt, für mich eine wunderbare Gelegenheit, den Initiator der FES Reutlingen, Prof. Werner Reininghaus, kennen zu lernen und von ihm zu hören, welche Bedingungen bei der Gründung einer christlichen Privatschule erfüllt werden müssen. So ebnete Gott die Wege.

Wie gründet man eine Schule?
Wir brauchten eine rechtliche Grundlage für das Schulprojekt. Dazu gründeten wir Anfang 1980 einen gemeinnützigen Schulverein, der die organisatorische und finanzielle Verantwortung übernahm und Spendenquittungen ausstellen konnte.
Dann mussten Eltern gewonnen werden, die dieses Anliegen teilten. Wir veranstalteten öffentliche Vorträge über christliche Pädagogik und luden dazu in den Gemeinden der Evangelischen Allianz Frankfurt am Main und Umgebung ein. Otto Schaude von der FES Reutlingen und Gottfried Meskemper von der Evangelischen Bekenntnisschule Bremen spielten dabei eine große Rolle. Sie konnten das Anliegen vortragen und kritische Fragen aus eigener Erfahrung beantworten. Gleichzeitig führten wir in diesen Gemeinden eine breit angelegte Unterschriftensammlung durch und sammelten etwa tausend Unterschriften von Christen, die dieses Anliegen befürworteten. 25 jahre fcsf gueting 02Wichtig war auch ein Gebetskreis, der sich monatlich traf, um aktuelle Gebetsanliegen aufzugreifen und Gottes Segen und Hilfe für die neue Schule zu erbitten.
Natürlich brauchten wir auch Lehrkräfte und Schulräume. Wir überlegten uns, dass es zweckmäßig war, mit den beiden ersten Grundschulklassen und zwei Lehrerinnen zu beginnen. Wir sind sehr dankbar, dass Frau Lieselotte Schreuers bereit war, ihr Beamtenverhältnis aufzugeben und die Aufgabe der Schulleiterin zu übernehmen. Auch eine zweite Grundschullehrerin hat uns Gott geschenkt. Die beiden konnten sich hinsichtlich ihrer Schulfächer gut ergänzen und im Krankheitsfall vertreten. Wenn dann jedes Jahr eine neue 1. Klasse hinzukam, war die weitere Aufbauarbeit überschaubar.
Hinsichtlich der Räume wandten wir uns an die Stadt Frankfurt. Wir waren sehr dankbar, dass uns von dort viel Verständnis entgegengebracht wurde und die Stadt Frankfurt bereit war, uns zwei freie Klassenzimmer in einer öffentlichen Grundschule zu vermieten. Weiter brauchten wir noch ein pädagogisches Konzept und entsprechende Lehrpläne für die Grundschuljahrgänge. Zunächst hatten wir gehofft, aufgrund einer besonderer pädagogischen Prägung staatliche Zuschüsse zu erhalten. Leider ließ sich das nicht verwirklichen. Die FES Reutlingen half uns sehr, indem sie uns ihre Lehrpläne in Kopie zur Verfügung stellte. Wir brauchten sie nur entsprechend unseren Wünschen zu überarbeiten.

So konnten wir Anfang 1981 beim Staatlichen Schulamt des Landes Hessen die Gründung der Freien Christlichen Schule Frankfurt am Main beantragen und im Herbst 1981 mit einer ersten und einer zweiten Grundschulklasse und 22 Schülern den Unterricht beginnen.

Gott hatte alles vorbereitet
Gott hatte viele Gebete erhört und alles gnädig vorbereitet. Viele Christen ließen sich für das Anliegen einer christlichen Privatschule begeistern. Manches persönliche Opfer war notwendig. Zum Beispiel gab es Leute, die ihr Auto einsetzten, um beim Fahrdienst zu helfen. Die Schüler kamen ja nicht nur aus Frankfurt, sondern aus der weiteren Umgebung. Sie mussten Tag für Tag zur Schule gebracht und mittags wieder abgeholt werden. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten. Die meisten von uns standen ja im Beruf und mussten alle mit der Schule zusammenhängenden Arbeiten neben ihren beruflichen Verpflichtungen erledigen.
Zu Gottes Ehre kann ich sagen, dass er viele Menschen willig gemacht und die notwendigen Schritte gut vorbereitet hatte. Gott hat die treuen Gebete jener Frauen auf wunderbare Weise erhört.

PROF. DR. RAINER GÜTING
gehört zu den Gründern der FCSF und war langjähriger Vorsitzender des Trägervereins